Mein Berufsweg

Im Kindergarten wußte ich schon, was ich NICHT werden will: Kindergärtnerin. Diese (mit der wir heute noch befreundet sind) mußte den Kindern unter anderem den Po abputzen. Eklig fand ich das.
Nach der 10. hatte ich keine Ahnung was ich machen sollte. Tierpflegerin vielleicht. Damit ich mehr Optionen offen hätte, ging ich zum Oberstufengynmaium. Was dann folgte war ein schreckliches Jahr. Dabei hatte ich mich auf die Zeit wirklich gefreut. Ich kam kaum mit, verstand oft nichts und quälte mich von Klausur zu Klausur. Ich begann mich durch eine familäre Situation und Sanitäsdienste bei Blinden, für eben diese zu interessieren.

Reha- und Mobilitätslehrerin für Blinde und Sehbehinderte sollte es also werden. Ich brachte mir sogar die Brailschrift alleine bei.
Als Voraussetzung war entweder Erzieherin, oder Optikerin gefragt.
Optiker? mit Physik. Neee. Nun gut, dann also auf die Fachschule für Pädagogik. Soft war mein Einstieg in einem eingruppigen katholischen Kindergarten in einem heilen Vorrort in Wiesbaden-Sonnenberg. Mein zweites Jahr absolvierte ich inmitten der Tätigkeit, was ich nie machen wollte. Popoabputzen. Und ich gewöhnte mich schnell dran und es störte mich gar nicht. Bis zu 9 verschiedene kleine Mäuse in einer Krippe wickelte ich nun also mehrmals am Tag. In der Fachschule hatte ich Noten, die mich aufbauten und mir zeigten genau das richtige gemacht zu haben. (Nicht mit dem Poabputzen, sondern die Entscheidung Erzieherin zu werden.)

Nach 5 Jahren war ich dann fertig und dachte mir "Hier bleib ich". Keine Weiterbildung zur Rehalehrerin. Als Erzieherin mit "gesunden" Kindern hatte ich schon genug zu tun, was mich interessierte und Ansprach.

In der Zeit lernte ich auch Gringel kennen . Sie hatte vor mir eine Stelle und ich wünschte ihr viel Erfolg beim Arbeitsanfang und halb scherzhaft meinte ich, sie solle den Chef mal fragen, ob er nicht noch jemanden bräuchte. Zwei tage später rief mich eben dieser Chef an und fragte nach, ich würde doch eine Stelle suchen. Ob ich Lust hätte mal vorbeizukommen.
Mein Start als "Milleniumserzieherin" - ich wurde 2000 fertig ;-) war heftig. Sozialer Brennpunkt Wiesbaden. Nein, so darf man es ja nicht mehr nennen. Die Situation bleibt aber dennoch. Die Zeit war anstrengend, aber sehr lehrreich.
Und in genau dieser Zeit wuchs die Freundschaft mit Gringel zu einer Ebene, die ich mir mit einer Frau nicht hätte vorstellen können. Wir arbeiteten 3 1/2 Jahre zusammen in einer Gruppe und fuhren sogar gemeinsam in den Urlaub.

Und doch war ich nach 3 Jahren ausgebrannt. 36 Kinder im Alter von wenigen Monaten bis 12 Jahren in einer Gruppe. Ein damaliger Versuch. (Die Gruppe wurde nach meinem Fortgehen wieder aufgelöst und in 2 Gruppen aufgeteilt) Ich arbeitete, wie ich nie arbeiten wollte. Erkannte mich selbst nicht mehr, hatte mir negative Eigenschaften angenommen und fühlte mich unsicher.

Weg aus dem Beruf. Weg aus der Sparte. Gerichtsmedizin. Ja genau. an Leichen herumfummeln und entdecken, wieso sie gestorben sind. die Nummer von der Gerichtsmedizin in Frankfurt lag schon auf meinem Tisch. Dort wollte ich anfragen, ob ich als Quereinsteigerin eine Chance hätte.
Viele gute Gespräche hielten mich dennoch davor ab. Einmal wollte ich es noch probieren. dann eben in einer anderen Sparte. Mit Schulkindern. Ich mußte mich arg aufrappeln, um überzeugend mein Vorstellungsgespräch zu schaffen. Doch dann hatte ich sogar zwei Stellen zur Auswahl. Und wieder entschied ich mich entgegen der behüteten Kindern für das sozial vernachlässigte Klientel.

Nun bin ich seit 2004 in einer anderen Einrichtung im AKK und arbeite mit Hortkindern. Kann mich mit vielen meiner privaten Interessen einbringen und mich ausprobieren und kann viel mit den Kindern Lernen.
geschrieben in Erinnerungen
Gringel (anonym) - 25. Feb, 22:26

Siehst Du und ich bin immer noch da wo alles angefangen hat. Ich komm da irgendwie nicht von los.
Es freut mich aber zu hören, dass die Zeit auch etwas gutes für Dich hatte. Mich! :-)

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