Sanitätergeschichten

Sonntag, 30. März 2008

SEG-Einsatz "Brand im Altenheim"

Um kurz nach 3 Uhr klingelte mein Telefon in der Nacht von Freitag auf Samstag. Verschlafen schaute ich auf das Display, kann die Nummer nicht zuordnen. Es dauert einen Moment bis zu Erkenntnis, wenn ich den Hörer abnehme erfahre ich auch wer dran ist.
Tom meint nur "Seg-Alarm, ich kann nicht, habe selbst NEF-Dienst". Kurz frage ich noch, um was es geht und dann peil ich es endgültig, ziehe ich an und brause los.
Die Schuhe ziehe ich erst unten vor der Tür an, weil die Treppenhaus so poltern. Kurz muß ich noch tanken, denke schon in der Wache als letztes anzukommen, doch ich liege im guten Mittelfeld. Um kurz nach halb 4 Uhr bin ich angekommen und ziehe mich zügig um.
Ich lasse mich mit den Anderen auf die Autos einteilen, somit weiß ich zu welchem Bereich ich zugeteilt bin, stelle mich im Geist auf Bettschieben, tattrige, demente, verzweifelte Alte Menschen ein.
Die Kollegen kennen den Anfahrtweg durch den Wald nicht wirklich. Meine alte Heimat ist das ja irgendwie und so lotse ich gerne durch die verschlafenen Wege an lauter Reh-Gruppen vorbei.

An der Einsatzstelle warten wir einen Moment bis wir eingewiesen werden und gehen dann zur Cafeteria, wo ca. 40-50 alte Personen sitzen und schon durch die Seelsorge und die erste SEG-Komponente betreut werden.
Ich denke mir, dass diese Menschen allesamt vor einem halben Jahrhundert schreckliche Erlebnisse hatten, Verlust bereits größenteils erlebt haben. Nun mußten sie mitten in der Nacht schleunigst aus ihrem Zuhause" eilen, um in Sicherheit zu kommen.
"Damals sind wir schneller zu Fuß in den Bunker gekommen," teilt mir eine nette alte Dame mit, "Doch heute ist man nicht mehr so schnell, wissen Sie?"
Die alten Damen und Herren dürfen erzählen was passiert ist, wie es ihnen ergangen ist. Das hilft schon ungemein in so einer Situation.
Auch um den Vogelkäfig von ganz oben wird nachgefragt und sich gekümmert.

Die Alten sind allesamt ruhig, unterhalten sich ruhig, dösen in ihren dicken Mänteln über den Schlafanzügen in Sesseln oder unterhalten sich leise. Insgesamt ist niemand aufgebracht.
Alle sind Gehfähig. Das hätte auch dick ins Auge gehen können.
Da wir Anfang mit einer längeren Betreuungszeit rechnen richten wir zwei Schlafräume ein, bauen Feldbetten auf, stellen Stühle. die Cafeteria bereitet ein frühzeitiges Frühstück vor.
Doch kaum ist alles hergerichtet ist der Einsatz für uns beendet. die Personen dürfen teils wieder in die Wohnungen zurück oder werden woanders untergebracht. also bauen wir wieder ab, bilden eine Kette, um die Feldbetten weiterzuleiten.
es ist schön mal wieder die anderen Kollegen zu sehen. Auch die Kollegen der anderen Organiationen kennt man und schwätzt kurz mit ihnen. So macht auch die körperliche Arbeit Spaß.
So glimpfliches das ganze abgelaufen ist, soviel Glück da war, dennoch ist eine frau beim Brand ums Leben gekommen.
Für mich ist der Einsatz beendet und um 8 Uhr liege ich wieder im Bett und schlafe noch ein paar Stunden.
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Mittwoch, 24. Oktober 2007

Rotgeweinte Augen am Seitenstreifen....

.... der Autobahn sollte man nicht ungetröstet stehen lassen. So war der Stau dann doch nicht die Rush-hour, sondern 5 Kilometer Gafferstau.
Kleinwagen rummst auf LKW. Da hat der Kleinwagen natürlich verloren und der Abend der Dame war dahin. Passiert war ihr weiter nichts, bis auf eine kleine Verletzung am Finger.
Die beiden männlichen Unfallgegner nahmen es gelassen, doch zum Trösten hielt ich da wohl besser her. Ob ich Ärztin wäre. Nein, aber vom Rettungsdienst. Und schon erntete ich dankbare Blicke. Die beiden baten mich noch ein bisschen dazu bleiben. Das tat ich dann auch gerne und wartete, bis der Lebensgefährte der leicht aufgelösten Dame dazukam.
Die Ausrufe "F*ck" ließen mich dann doch annehmen, dass kein Kreislaufkollaps mehr zu erwarten wäre und ich nur noch der Anstandshalber ein paar Minuten da blieb.
So kam ich unwesentlich später zu Paps Geburtstagsfeier und einem Menschen konnte ich wenigstens heute ein wenig helfen.
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Sonntag, 19. August 2007

Sandienstreflektion

Ich habe dazugelernt. Ich habe Fehler gemacht. Und doch, glaube ich mit gutem Gewissen von mir behaupten zu können, dass ich gestern dazu beigetragen habe, ein Menschenleben zu retten.
Ein gutes Gefühl.
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Montag, 21. Mai 2007

Polizeinotruf

Verkehrsunfall in Nordenstadt, ohne Personenschaden.
Die Autos waren beide nicht mehr Fahrtüchtig, bzw zur Seite zu schieben. Den einen Fahrer kannte ich, er wollte keine Polizei, war aber so mit Schreibkram der Versicherung beschäftigt (Mitten auf der Straße), dass ich dann doch von ein bisschen weiter weg, den Notruf betätigte.

Die Beifahrertür bog ich soweit mit Gewalt auf, das die Beifahrerin aussteigen konnte. Ich bat sie, sich an die Seite auf den Bürgersteig zu stellen und nicht im Auto sitzen zu bleiben. (Den Leuten ist irgendwie nie bewußt wie gefährlich das ist, in einem liegengebliebenen Auto mitten auf der Gasse zu stehen.
Das eine Warndreieck war durch Einkäufe im Baumarkt zugemüllt zugestellt, das andere baute ich schnell auf und stellte es in gebührendem Abstand auf.
Ich fand`s ja prima, das niemanden etwas passiert war, die Autos sahen so mehr nach wirtschaftlichem Totalschaden aus. :-(
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Sonntag, 13. Mai 2007

Sandienstresumee

Wenn man auf dem Festplatz sein erstes Babysitterkind trifft und mit ihm über Rechtsradikalismus diskutiert, dann spürt man, das man älter geworden ist.

Wenn man einen Patienten und sein Umfeld erlebt und von den Lebensumständen erfährt, dann spürt man mal wieder wie gut es einem doch eigentlich geht.

Wenn man die Streifenpartner tauschen kann, so dass man zu dritt ein echtes Dream-Team ist, dann sind es die kleinen Dinge, die einem am Abend Freude machen können.

Wen einem ein Fremder auf die Schulter klopft, und sagt, dass es gut ist, dass man in der Funktion als Sanitäter da ist, dann hat man die Welt wieder ein klitzekleines bisschen besser gemacht.
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Sonntag, 6. Mai 2007

Judosandienst

Das ist ein Dienst, der macht auch Spaß, wenn mal nix passiert. Aber Erfahrungsgemäß braucht immer mindestens ein Pflaster oder einen Kühlpack.
Aber nur den Kämpfen schon zuzuschauen ist unterhaltsam genug. Da gibt es wirklich andere Dienste, wo man sich ein buch oder ne Zeitschrift mitnehmen sollte.
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Montag, 30. April 2007

"Warum tust Du das denn auch?"

Ich war die Erste die von der Party wieder ging. Es war kurz nach 23 Uhr, und die Nacht versprach kurz zu werden. Zwei Übungen warteten am nächsten Tag auf mich. Gringel fragte mich Du bist doch krank, wenn du sowas machst, oder? "Warum tust Du das denn auch? " Und ich glaube, weder zum Zeitpunkt des Spielverderber-Früh-ins-Bett-geher, noch am nächsten Morgen, wenn um 6 Uhr der Wecker klingelte hätte ich ihr diese Frage beantworten können.

Kurz vor der Übung, während der Übung, nach der Übung , da hätte ich schon eher eine Antwort parat. Ob aber ein Außenstehender versteht wieso man sich mit Rettungskräften, Verletzendarstellung, Blut und leidenden Gesichtern abgibt weiß ich nicht.
Gringel hat mich schon oft genug auf Sanitätsdiensten erlebt, mir hier und da zur Seite gestanden und geholfen, aber "Verletzt" hat sie mich wohl noch nie erlebt. Paps habe ich infiziert. Der macht nun auch mit. Vater-Tochter- Verletztendarstellung. Der Sohn fungiert als Notarzt, Tochter und Vater mimen. Familienbetrieb.

Bei einer Schauübung in der Fußgängerzone sahen meine Eltern mich das erste Mal mimen. Ich war blutig, wurde von meinen Kollegen intubiert und beatmet. Meine Eltern schauten sich das Spektakel an und meinten hinterher, ich solle nicht enttäuscht sein, aber DAS wollen sie nicht noch mal sehen. Ihre eigene Tochter in dieser Situation zu erleben wäre zu heftig, würde zusehr das Kopfkino antreiben.
Dann erlebte mein Vater eine fiesen Motorrad-Unfall bei der er jemanden in seinen letzten Minuten begleitete und den Kopf hielt. Tage später kam er auf mich zu und fragte, wie er denn alleine den Helm hätte abnehmen sollen.

Um die Chance zu haben, das ganze besser Verarbeiten zu können, machte er erst einen Erstehilfekurs, dann sogar einen Sankurs mit mir mit. Damit er das nächste Mal wissen würde, was zu tun war. Dadurch lernte er die Arbeit ein bisschen kennen.
Dann half er einmal aus bei einer Übung und hatte Blut geleckt.
Er mimte einen gebrochenen Arm, ich war bewußtlos. Er schrie und wimmerte jämmerlich und die Feuerwehr rettete ihn direkt. Ich schrie nicht und blieb erst mal liegen. Paps wurde über die Feuerwehrleiter gerettet und fand das ganze Aufregend und Spannend.
"Also wenn ihr nochmal jemanden braucht....."

Und nun ist er mit dabei. Er sieht das ganze nicht aus der medizinischen Sicht. Bewertet nicht die Übungsabfolge und Sichtungskategorien. Er erlebt das aus der Position des Verletzten der Anteilnahme und Betreuung braucht. Und auch er bekommt einen schnelleren Puls beim ertönen der Martinshörner.

Ich schminke eine Verletzung und sehe wie der "Mime" hinterher das Verletzungsmuster verinnerlicht und darstellt. Noch lieber mime ich selbst, rutsche in die Rolle des Verunfallten, Erkrankten oder Schockierten. Sich in die Situation hineinversetzen bedeutet auch im Realfall den Gegenüber besser verstehen zu können.

Man schaut in Abläufe hinein, die der normalen Bevölkerung unbekannt sind. Rettungsabläufe, Handlungen, interne Betriebsabläufe, Firmengelände und Schauplätze sind erlebnissreich, spannend, adrenalingeladen.

Der Helfer ist manchmal erschrocken über die darstellende Wirkung. Die Wunden sehen echt aus. Erschreckend echt. Je besser der Mime ist, desto besser ist die Wirkung. Zuerst probieren sie einen aus der Rolle zu bringen, zu sehen, dass es einem gut geht. Wenn man gut ist, gelingt ihnen das nicht. Der Retter vergißt die Situation der Übung. Er hilft, wie er es real auch tun würde und übt damit für den Ernstfall. Kann aus den Fehlern lernen, wird bestätigt.
Die Theorie kam zuvor, mit uns kommt die Praxis.
Nicht nur dabei sondern mittendrin zu sein. Das ist es unter anderem , warum ich abends eventuell früher gehe und morgens früh aufstehe.
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Donnerstag, 26. April 2007

Zustand im Blut nach Erste-Hilfeleistung

Die Aktion kann ich nun abhaken und meinen Körper als gesund vermelden. Der HIV-Test ist negativ, "Alles ok!" O-Ton Hausarzt.

Und beim nächsten Mal würde ich wohl ähnlich handeln.
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Montag, 9. April 2007

Hortausflug im Wald

Wie eine Slalomläuferin beim Winteralpin sah sie aus, als sie sich überschlug. Die Beine in der Luft rollte sie über ihren Nacken und blieb laut schreiend liegen. Mit mehreren Kindern war sie einen abschüssigen Waldweg hinuntergerannt und dabei gestolpert.

Meine Kollegin und ich liefen zügig zu ihr. Während wir die anderen Kinder weiter unten sich schon mal die nächste Station anzuschauen baten, begann ich mir einen Überblick über ihre Verletzungen zu machen. Das erste mal nun machte ich einen Bodycheck bei einer Erstklässlerin. Sorgsam prüfte ich mit System alle Körperteile, Knochen und Gelenke. Ein paar wenige Blutstropfen traten aus ihrer Nase und ich rechnete mit dem Schlimmsten, setzte in Gedanken den Notruf ab und schätzte ab, wie lange ein Notarzt in den Wald brauchte, legte mir zurecht, was weiter zu tun sei.
Doch ein Schutzengel schien uns begleitet zu haben. Sie hatte nur viele Schürfwunden und einen gehörigen Schrecken bekommen. Das Schreien wandelte sich in ein Schluchtzen. Tapfer lies sie sich verbinden und trösten. Meine Kollegin reichte mir die Sachen aus der Erstenhilfetasche.
Schürfwunden an beiden seiten der Hände, an der Brust, eine kleine Risswunde an der Lippe, Schrammen auf der Nase..... Sie konnte einem wirklich leid tun.
Die anderen hatten derweil wirklich schön begonnen zu spielen, und fragten erst hinterher, wie es ihr ginge.
Nach telefonischer Rücksprache (gelobt sei mein Handy) mit Elternhaus und unserer Chefin nahmen wir einen leichteren Weg und liefen langsam zurück.
Wir beobachteten sie sorgsam um auf auftretende Schmerzen direkt reagieren zu können.
Eine Weile lief sie neben uns, verfroren, verschrocken und einfach nur platt.
Doch zunehmend erholte sie sich und als wir nochmal einen kleinen Halt machten, um die Kinder an einem Hang herumkrackseln zu lassen, spielte sie mit ein paar wieder fröhlich auf der Wiese.

Zu einem Sturz gerufen zu werden ist das eine, einen Sturz mitzuerleben ist etwas ganz anderes. Zudem, wenn einem Aufsichtspflicht und Sorge für das Wohlsein des Kindes im Nacken hockt.
Immer wieder bin ich froh in solchen Momenten nicht hilflos zuzusehen, sondern handeln zu können.
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Montag, 5. März 2007

HIV-Test nach Erste-Hilfe-Leistung

Nach der Aktion im KUZ blieb ein bitterer Beigeschmack, der mich dazu veranlasste die Gegenheiten bei der Unfallkasse RPL zu melden, um mir einen HIV-Test finanzieren zu lassen.
Das Gefühl im Bauch soll einfach beruhigt werden.

Nun bekam ich direkt schon von der Unfallkasse eine Email mit zig Fragen:

1.) Wie lautet Ihre genaue Anschrift, Telefonnummer und Geburtsdatum?
2.) Um wie viel Uhr haben Sie Erste Hilfe geleistet?
3.) Wo genau hatte sich der Unfall ereignet? In welchem Bundesland
befindet sich die Unfallstelle?
4.) Was hatte sich ereignet (bitte möglichst ausführliche Schilderung
der Situation)?
5.) Wie wurden Sie auf die Situation aufmerksam? Wo / bei welcher
Tätigkeit befanden Sie sich zu diesem Zeitpunkt?
6.) Wurden Sie zum Hilfe gebeten, ggf. von wem?
7.) Welche genaue Situation stellte sich zum Zeitpunkt Ihres
Tätigwerdens für Sie dar?
8.) Wie genau und warum wurden Sie tätig?
9.) Wie und bei welcher Tätigkeit kamen Sie mit dem Blut in Kontakt?
10.) Ist Ihnen Name und Anschrift der Person, der Sie geholfen haben,
zwischenzeitlich bekannt?
11.) Gibt es Zeugen, ggf. wie lauten Namen und Anschriften?
12.) Haben weitere Personen geholfen, ggf. welche (Namen, Anschriften)?
13.) Wurde der Vorfall / Unfall polizeilich aufgenommen, ggf. von
welcher Polizeidienststelle und unter welchem
Aktenzeichen?
14). Bei welcher Krankenkasse sind Sie krankenversichert?
15.) Welchen Beruf üben Sie aus?
16.) Bei welchem Arzt (Name, Anschrift) haben Sie sich vorgestellt bzw.
sollen die Untersuchungen durchgeführt werden?


Diese habe ich soeben mit Hilfe von Jeverpils ausgefüllt.
Ich berichte, wie es weitergeht.
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