...geschahen in dieser Nacht Dinge, die schwer zu beschreiben sind. Auch sind sie wohl zu persönlich, um hier aufgeschrieben zu werden. Egal, ob man an etwas glaubt oder nicht, das Erlebte war überwältigend.
Wir haben Begegnungen miterleben können, Verabschiedungen und das letztes Abendmal, was unglaublich tröstend war. Dass, was vorher sich zwischen unserem Papa und uns aufgebaut hatte, machte möglich ihn so zu begleiten, wie wir es die letzten 3 Tage und Nächte gemacht haben.
Er gab uns selbst zum Schluß noch zu verstehen, dass er für uns da ist, gab uns Kraft seinen Körper sterben zu sehen. Und er mutete uns nur genau soviel zu, wie wir tragen und aushalten konnten.
Um 3 Uhr heute Nacht hat er seinen Körper ruhen lassen.
Ich bin traurig, aber auch dankbar, für das was wir zusammen erlebt haben. Daher verabschiedete ich mich auch leise mit einem "Danke" von ihm.
Die Wochentage und die Tageszeiten gleiten dahin und sind unwichtig. Es tut gut bei Papa zu sein. Er braucht unsere Nähe. Manchmal mit ein paar Fragen, Hilfestellungen, meist aber nur DAsein. Ich bin an dem Punkt angelangt, sagen zu können, dass ich froh bin, ihn gehen zu lassen.
Es ist kein "Überraschender" Tod, sondern ein wirklich bewußtes Begleiten und T. und ich wechseln uns rund um die Uhr ab, die "Übergangszeiten" nutzen wir für viele Gespräche.
Die Unterstützung durch unsere Partner, Freunde und das Palliativteam ist unvergleichbar gut.
Der von Papa sehr bewußt ausgewählte Pfarrer konnte ihm tatsächlich noch das Abendmal geben. Wir waren dabei und es wird kein nochmaliges derartiges Abendmahl geben. Es war speziell für Papa. Der Pfarrer ging absolut persönlich auf die Wünsche von Paps ein und dieser klarte für 45 Minuten auf, wie seit Tagen am Stück nicht mehr.
Es war ergreifend und tröstend gleichermaßen.
In der Hollywoodvariante sterben die Menschen dann, wenn sie bereit dazu sind. Real ist das anders.
F. hatte heute Nacht seine ganz eigene persönliche Begegnung mit Papa und ich bin sprachlos, über die Größe, die er bei seiner Unterstützung mir gegenüber zeigt. Das ist in keinsterweise selbstverständlich und hilft mir ungemein.
Es entstehen Situationen , die so kurios, Surreal sind. Aber die dennoch schön sind, gut tun, trösten und das Sterben nicht Abseits vom restlichen Leben stellen.
...egal für welche Reise"
...
Eintrag aus dem Gästebuch der Palliativstation.
Gestern Abend der Anruf. Die Nacht war ich da, freue mich nun auf die Dusche und auf kuscheln/schlafen/ruhen mit den Fellnasen. Tom und ich wechseln uns wohl die Tage und Nächte nun mit einem Freud ab, damit meistens jemand bei ihm ist.
Paps so zu sehen und vorauszuahnen, wie es weitergeht scheint eher mit letzterem benannt zu werden.
Die nächsten Wochen werden in keinsterweise planbar sein und mein Terminkalender rinnt mir zwischen den Finger davon, löst sich auf. Absolut nichtig geworden.
Gerade zu nichts sinnvollem fähig. blockiert durch zig Gedanken. Die meisten gelten Papa.
Ich bin so froh, dass er nun auf der Palliativstation ist. Die sind alle so lieb und besorgt um die Menschen dort.
Ein Eiswürfel für ein kühlendes Getränk, eine tröstende , stützende Hand auf der Schulter, ein kleiner Handventilator, ein gekochte Griesbrei für den Appetit, der besonders leckere Orangensaft, der frei zur Verfügung steht.. Diese ganzen kleinen Dinge, die so unendlich wertvoll sind.
Nächste Woche wieder arbeiten. Das volle Programm. Ferienprogramm, neue Kinder, ......
"Wie", weiß ich noch gar nicht.
Das Murmelshooting, ein Hochzeitsshooting. ich hoffe, ich kann mich sammeln, konzentrieren, Abschalten und gute Bilder machen.
"Wo haben Sie denn irgendwo eine Stütze?", fragte mich der Psychologe, nachdem er Paps in einer Art Meditation zum Ausruhen gebracht hatte. Mir waren dabei die Tränen das Gesicht herab gelaufen und wir gingen in den Raum der Stille" um in Ruhe miteinander zu sprechen.
Sofort schossen mir mein Bruder, meine Freunde und Kollegen in den Kopf. Und - der Punkt ist neu - "Hm" und mußte unter den Tränen schon ein klitzekleinesbisschen lächeln, "ich habe seit ner Woche nen Freund".
Der Gedanke, all diese Menschen , um mich zu wissen tat verdammt gut in dem Moment.
Klingt komisch, ungewohnt, merkwürdig.
Aber es tut gut.
Das Beschnuppern tut gut, das Kennenlernen, das Zusammensein. Heute Nacht ist die erste Nacht, die wir seit vorletztem Samstag getrennt verbringen.
Das wird sich natürlich nach meinem Urlaub ändern.
Dafür begleite ich F. Ende der Woche auf Dienstreise nach HH. Ich freue mich Mike wiederzusehen und abends wollen wir ins Miniaturland, wo ich mich ebenfalls riesig drauf freue.
Die Gemeinsamkeiten (Ehrenamtlichkeit, Katzen, Fotografie, Tauchen, ...) bieten eine riesige Bandbreite für gemeinsames Erleben und Tun. Ich genieße den verbalen Austausch, die Gespräche, die bis in die Nacht gehen. Vor ein paar Tagen habe ich ihm erst Backgammon beigebracht und nach nur 3 Spielen ist er ein ernstzunehmender Gegner. Die abendlichen Partien dauern stundenlang und folgen einem Abendsessen, was uns beide auf Kalorien achten lässt. Wir haben beide den Pfunden den Kampf angesagt.
Ich freue mich auf das was ist und das was kommen wird. Schön, dass du da bist F.