Oma

Samstag, 13. November 2010

Die Zeiten haben sich geändert

Ich reiche gleich vorsorglich Tante B. und Tom eine symbolische Adalat zum Blutdrucksenken.:

Ich: "Wir gehen am Wochenende auf die Hochzeitsmesse"
Oma: "Messe? - dafür gibt es eine Messe?"
Ich: "Da sind ganz viele Aussteller. Und du kannst dich informieren über Brautkleider, Dekorationen, ....."
Oma: "Also wenn ich heiraten würde, ich wüßte was ich da bräuchte. Ich bräuchte dafür keine Messe"
Ich, in Gedanken die Schallplatte mit dem Milchwagen und den schweren Zeiten im Ohr: "Nee, Oma, das kannste ja nicht mehr mit früher vergleichen."
Oma: "Macht das blos nicht so teuer. Das muß doch nicht sein."
Ich: "Ja Oma.
Aber schön soll es doch werden!"

...
Oma: "Und sag dem Florian er kann sich auf den ledernen Papiereimer freuen. Sowas hat nicht jeder. Das Silber hab ich hier schon alles bereitgelegt. Ihr müßt ja nen bisschen stilvoll Essen. Kommt ja aus einem guten Haus."
Ich stelle mir bildhaft vor, wie einer der Fellnasen sich genüßlich in den ledernen Eimer hockt und sein Hinterteil lupft um das morsche Teil zu markieren. dann hat sich das nämlich ganz schnell erledigt mit dem Stilvollen Arbeitszimmer.
Ich: "Besteck haben wir ja, nur Tortenheber bräuchte ich."
Oma: "Besteck aus Silber?"
Ich: "Nee, wer soll denn das putzen?"
Oma: "Wir hatten IMMER Besteck aus Silber. Wir kommen doch aus einem kultivierten Haushalt. Da macht man sowas."
Ich, feixend: "Und wer hat das bei euch geputzt?"
Oma: "Ja ich natürlich!"
Ich: "Hattest du auch eine 40 Stunden Woche?"
Oma: "Die ersten 20 Jahre natürlich nicht. Die habe ich ja für die Kinder geopfert." (Flehentlich - Nein nicht diese Platte) "Aber dann schon"
Ich, weiter auf der Arbeitsstunde herumreitend: "Ach, du hast da 40 Stunden Vertreten?"
Oma, endlich kapierend und sich erinnernd, dass ihr Arbeitsaufkommen, dann doch nicht soooooo viel war: "Du brauchst eh eine Putze. Das schaffst du doch nicht alles. Ihr habt doch da so viele Böden und all die Fenster. ...."
Ich: "Ja Oma, alles zu seiner Zeit."

Donnerstag, 5. August 2010

die Notrationen in der Speisekammer

Was Oma als Notration in Gefrierschrank betitelt war vor ein paar Wochen aufgetaut und wieder eingefroren. Nicht alles war mehr nachvollziebar, wann eingefroren. Bei den Originalkuchen habe ich mir nicht die Mühe gemacht aufs MHD zu schauen. Alles brach ich Mühsam aus den Schubladen. Mitsamt der tupperdosen in schicken braun landete alles in den mitgebrachten Klappkisten.
Das alte Brot wanderte in schwarze Säcke, damit Oma es erst gar nicht mehr sehen mußte. Es war schon schlimm genug für sie "alles Essen weggenommen zu bekommen". Erst kürzlich eingefrorerene Brötchen liesen wie ihr natürlich. Oma wurde abgelenkt mit dem auswaschen der einzelnen Gefrierschubladen.

Nachdem zwei Kisten und der schwarze Sack voll waren schweifte mein Blick nach rechts und die Augen wurden größer.
Ungläubig hob ich schwarz angelaufene Konservendosen hoch und war perplex über die Leichtigkeit.
Kein feuchter Inhalt mehr. Die Dosen waren durchgerostet. Der Boden einer Ananasdose blieb beim hochheben kleben. Was sich als Inhalt zeigte war mumifiziert.

Ich zeigte es Oma, um ihr klarzumachen, das sowas krank macht. Das wir ihr nicht böse wollten.
Zwischenzeitlich brachte ein Zivi das Essen. Ich hielt meinen Mund, war aber dennoch so dankbar, um die Möglichkeit des Essens auf Rädern.

Ich frotzelte, nachdem ich alles ins Auto geladen hatte, wieder in Omas Wohnung. "Wenn ich nun nen Unfall baue, habe ich gleichzeitig auch ne Lebensmittelvergiftung!"

Gottseidank schimpfte Oma nicht, sondern war mir dankbar. Die anderen Schallplatten, die dann doch noch folgten erspare ich mir hier nochmal wiederzukäuen.

Donnerstag, 11. März 2010

Ja Oma

Hätte ich den Anrufbeantworter nicht direkt gelöscht, hätte ich es hier noch mal wiedergegeben.
Gottseidank war ich unter der Dusche, als ihr Anruf kam und meinen AB malträtierte.

8 Tage hätte ich mich nicht blicken lassen, sie wolle ihren Schmuck haben, ihr Portmonee. Und überhaupt hätte sie keine Wäsche mehr und sie würde im Krankenhaus verkommen. So ginge das doch nicht.

Nee, so geht das echt nicht. Was soll ich mich rechtfertigen, dennoch möchte ich 2-3 Sachen dazu schreiben.
Ihren Schmuck nahm ich ihr auf Anraten des Personals in der Notaufnahme ab, damit er ihr nicht gestohlen wird. Genauso auch das Geld.
(Den Rettungsdienstkollege, der uns beide über Stunden hinweg mitbekam meinte irgendwann zu mir "Na ihr habt ja Spaß zusammen. Wenn du nen Schnaps brauchst, dann meld dich")
Wäsche habe ich mitgenommen und in den letzten tagen gewaschen. Doch rief sie ihr "Putze" (O-Ton Oma!!" an und kommandierte sie weitere Wäsche aus der Wohnung zu bringen)
Ich habe jeden Tag bei ihr angerufen. Ihr vom Tod meiner Kollegin erzählt udn das es mir bescheiden geht, ich mich krankschreiben habe lassen und es auf der Arbeit echt hart ist.

Doch die Welt dreht sich nur um sie. "Sie ist 92" sagen viele, die sie nicht kennen. Man bedenke, dass es vor 30 Jahren nicht anders war. Doch derzeit wandelt sie sich wirklich zu einem asozialen M Drachen.

Ich werde ihr die Wäsche jetzt vor der Arbeit im Schwesternzimmer abgeben. Genauso wie Schmuck und Portmonee. Nach "Hallo"-sagen ist mir nicht zumute.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Oma wurde gestern 92

und Opa wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Über die Orchidee hat sie sich riesig gefreut. Mehr wohl noch, das ich kam, als sie schon die Läden zuklappte und ins Bett gehen wollte.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Ach Herr Weihnachtsmann

so langsam hätten wir ja alle Wünsche abgeben, bestellt oder zumindest organisiert und angedacht. Doch sagen Sie mir mal bitte, mit was ich Oma eine Freude machen kann....

93
zeitweise depressiv
nicht mehr gut zu Fuß
besser nicht mehr Autofahrend
CD nur rumliegend und nicht hörend
"Brauchst mir nichts zu schenken" -Wünsche

/edit

Sie hat selbst einen Wunsch geäußert. also ich habe ihn dann zum Geschenk erkohren. Ein Kalender von Barcelona. Ach wie fein!

Sonntag, 6. Dezember 2009

Projekt Oma

Omas Antrag auf Pflegestufe 1 wurde ablehnt, was ich schon ziemlich erschreckend finde. Oma ist einerseits verärgert über die heutige Zeit, hat aber natürlich auch Zukunftsängst, wie es denn weitergeht. Eine Bekannte von ihr möchte ihr helfen und sich regelmäßig um sie kümmern, nur ist sie natürlich auch auf eine kleine Entlohnung angewiesen.

Mir fehlt noch wohl die nötige Energie mich dem Kampf wirklich anzunehmen. Sind meine eigenen "Baustellen" ja auch nciht gerade gering. Auch erschwert die Beziehung zwischen ihr und mir das selbstständige Aktiv werden. Nun habe ich mich aber dennoch ein wenig im Netz schlau gemacht und Oma grübelt bereits über einem schriftlichen Widerspruch.

/Nachtrag
Das 50minütige Telefonat mit eben jener Bekannten war mehr als aufschlußreich.
Oma scheint eine Wesensveränderung derzeit zu haben, die mich ja irgendwie erschreckt. Bei diversen Erzählungen bleibt mir nur der Mund offenstehen über soviel Frechheit und Unverfrohrenheit.
Nein, man muß sich gegen Bezahlung nciht alles bieten lassen.
Und vor allem müßen wir schauen, das Oma uns nciht gegenseitig ausspielt.

Sieht man es mit Abstand, könnte man drüber lachen und in einem Film würde man sagen "Wer denkt sich denn sowas aus". Doch erlebt man das ganze aus der Nähe ist mehr als distanslos, erschreckend und kräftezehrend.

Projekt Oma - Punkt

Donnerstag, 5. November 2009

Anruf

Manchmal kann sie ja wirklich lieb sein.
Oma rief eben an, um sich für mein aufräumen in der Küche zu bedanken. Es sei gleich viel heller in der Küche. (Naja zumindest ist mehr Platz auf der Anrichte)
Sie rechtfertigte ihre 10jahresansammlung damit, dass ihre Generation eben gelernt hätten zu horten und immer neues nachzulaufen, falls es nichts mehr gäbe.
Das kann ich gut verstehen und ich möchte ihr, wenn ich darf, auch gerne ein wenig helfen. Verständnis für das Messiwesen ihrer Generation habe ich auf alle Fälle.

Willkommen im Alltag

Nach einem ruhigen Morgen, der zum Ausschlafen prädestiniert war ging es frohen Mutes in die Tagesplanung:

Einkaufen, inklusive fairer Milch
Gefunden "Unsere Heimat", um die 50ct beim E*eka.

Autowerkstatt
Dank neuen Luftfilters muffelt es nun künftig auch nicht mehr so im Auto.

Oma
Ich bin ja froh, wenn ich mal etwas für sie machen kann. Und so fuhr ich zur Bank, erledigte 2-3 Dinge für mich und kehrte wieder bei ihr ein. Für die Dogge der Psychologin kaufte ich ein paar Hundekekse, für mich einen Geflügelsalat und Brot.
Während eine Friseurin Omas Haare wusch und föhnte schaute ich in den Kühlschrank. dort sties ich auf gelagerte Comodienvorstellungen. Ich glaubte an einen Druckfehler auf der Schinkenpackung. Schaute engerieverschwendend lange auf die Packung, schloß verdattert die Kühlungstür und fragte Oma, ob es sein könne, das der Schinken schon etwas länger dort lagere. "Ja kann sein." 10.02.09 War dann also doch kein Druckfehler.

In den Mülleimer folgten noch mehre andere Frischeprodukte mit ekelerregendem Pelzmantel und gruseligen Ablaufdaten.
Der Müll war voll, da nahm ich die erste Tüte und schaute in den Küchenschrank. Nudeln von 2006 waren noch die harmloseren Varianten. die nächste Tüte war in der Größe einer Badetasche und es folgten Puddingpulver mit DM-Kennzeichnungen und Tütensuppen aus dem Jahre 1994.
Die Friseurin war zwuischenzeitlich gegangen, Oma kam in die Küche und jammerte ich würde ihr ja alles zu Essen wegnehmen. (Beim Kühlschrank hatte sie sich noch bedankt!)
Ich nahm sie an der Schulter, tröstete sie und erklärte ihr das diese Lebensmittel sie krank machen würden. Sie solle nicht zuschauen, ich würde das für sie machen.
Brav verzog sie sich tatsächlich ins Wohnzimmer und lauschte einer alten Tonbandaufnahme ihrer Stimme an ihren verstorbenen Cousin.
In der Küche folgten die alten Marmeladengläser , die restlichen Tütensuppen, Tees, Gewürze und Backzutaten.

Ich tröstete Oma, dass sie selbst ja nciht mehr kochen würde und sie doch nciht mit einer Lebensmittelvergiftung in die Klinik wolle. Die schränke wusch ich tapfer und gründlich aus und entsorgte damit wohl hoffentlich alle Eier und Lebentierchen.

Die Mülltonne war voll, also lud ich alles ins Auto - zum restlichen Gelump. Oma versprach ich nun regelmäßig nach dem Kühlschrank zu sehen. den Rest meiner Pläne verschwieg ich ihr. Im einigermaßen sauberen Küchenschrank stehen nun sehr übersichtlich ihre benötigten Suppen, Tees, Puddingpulvertüten und eingemachten Obstkonserven.

Später als gedacht, aber mit dem Gefühl etwas getan zu haben fuhr ich noch schnell bei meinem ältesten Patenkind vorbei, um ihr noch Habseligkeiten von Papa zu bringen. Trennungen von Eltern sind immer scheiße und darunter leiden müssen immer die Kinder!

Der Mann meines Herzens schaute schnell im Netz nach den Öffnungszeiten der Entsorgungsbetriebe und auf den letzten Drücker kam ich im Hof Nordenstadt an, um die Museumsreifen Lebensmittel für 2, 50 € dort zu entsorgen und auch den Motten ein neues Zuhause zu geben.

In meinem Zuhause erwarteten mich zwei hungrige Fellnasen und Urlaubsrequisiten die alle noch schöne Plätze, bzw ihre alten Stammplätze wieder haben möchten.

Samstag, 12. September 2009

"Genieß`dein Wochenende...

... am Montag kommt Oma wieder."
O-Ton herself am Telefon. Gerade in der Türkei, Ein Schelm , wer böses dabei denkt.

Samstag, 24. Januar 2009

Der Anrufbeantworter

Die 2 Anrufe auf dem Blechtrottel hätten eben nicht unterschiedlicher sein können.
Oma monierte mein 3 tägiges nichtmelden. (Als ob der die Verbindung Telekomunikationswege nur einseitig verfügbar wäre.) Ob ich denn unterwegs sei. Im Unterton klang ein, vorwurfsvolles, du mußt doch im Bett bleiben mit.

Meine Mutter fragte liebevoll besorgt nach meinem empfunden. Man merkte, dass sie enttäuscht war, nur die Technik und nicht mich an anderen Ende der Leitung zu haben. Sie erzählte noch kurz, dass sie Seife für mich gekauft hätte, aus dem Laden der so schöne Seifen aus Schafsmilch hat.

Die Rückrufe werden ebenfalls sehr gegensätzlich sein. Ersteren habe ich schon hinter mich gebracht und das meiste mit "Ja Oma" kommentiert. Es ist mir zu doof, mich zu rechtfertigen, dass ich auch mal an die frische Luft muß und eben nicht ihre Medikamente nehmen würde, die sie als Ärztin jahrelang verschrieben hätte. Desweiteren meinte sie, ich hätte einen Fehler gemacht bei diesem schrecklichen Wetter mit Vater unterwegs zu sein. Ich wäre krank und gehöre nicht nach draußen. Eine Erklärung, das für Paps dieser Ausflug ungemein bedeutend gewesen ist , ist einfach hinfällig.

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Das macht echt Angst! Dankeschön fürs zeigen!
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