Samstag, 4. Oktober 2008

Finchen und der Nussjoghurt

Aufgenommen am 11.9.08 und eben zusammengestellt. Es waren fast die letzten Aufnahmen. hier war sie noch putzmunter und hatte sichtlich Spaß beim Spielen mit den leckeren Resten.

Finchen

Ein letztes Male hielt ich Finchen auf dem Schoß und streichelte ihr plüschiges Fell. Und eigentlich war es das einzige Mal, dass sie überhaupt auf meinem Schoß war. Ihr Körper fühlte sich schneller als ich gedacht hatte mehr wie eine Hülle, als wie mit Seele gefühlt an. Der letzte Weg für sie tat mir ungemein weh und fiel mir schwer. Ich war froh dass Gringel dabei war.

Dann wickelte ich Finchen in ein Handtuch, legte sie sehr vorsichtig in ihr kleines ausgehobenes Löchlein im Wald. Gringel stand neben mir uns gab mir die Zeit die ich brauchte.
Es ist ein schönes Plätzchen. Inmitten einer kleinen Gruppe von Birken. Und durch das Dickicht schien ein kleiner Sonnenstrahl auf den Fleck Erde. Der Fliegenpilz am Rande wird den Grabstein ersetzen.

Die letzte Woche war Finchen nur noch am erbrechen und vorgestern verweigerte sie komplett ihr Fressen. Auch schließ sie nicht mehr an meinen Füßen und zog sich immer mehr zurück. Als ich ihr besorgt meine Hand hinhielt stieß sie mit ihrem Kopf dagegen und blieb. Etwas, was sie außer in der Zeit, wo sie draußen wohnte nie gemacht hat.

Nur zweimal in ihrem Leben habe ich Fine mit meinen Händen einfangen müßen. Sie verbiss sich ordentlich in die Handschuhe und kratzte und miaute. Ich versuchte so zügig wie möglich zu handeln, um sie nicht unnötig zu quälen. Die Tierärztin nahm sich unwahrscheinlich viel Zeit. Bestimmt eine ganze Stunde war ich mit Finchen im Behandlungsraum. Eine Spritze beruhigte sie, damit sie überhaupt untersucht werden konnte. Vorher hatten wir schon überlegt was man tun könne, Infussion, Medikamente, ..... doch direkt beim Abtasten der ruhiggestellten Fine waren ihre Worte sehr mitleidvoll. Finchen war in der Woche stark abgemagert, die Nieren waren beim bloßen anschauen zu erkennen und sehr stark vergrößert. Im Bauchraum war ein großer Tumor zu spüren. Die Ärztin drängte mich zu nichts. Wir wägten in Ruhe, abwechselnd übers das Fell streichelnd ab, was das beste für Finchen sei.
Für Finchen bedeutete jedes Einfangen einen riesigen Stress. Und alleine schon die vergrößerten Nieren sprachen für eine überschaubare Lebenszeit und den Beginn eines Leidensweges. Das wollte ich nie. Ich wollte, das Finchen nach ihrem qualvollen Start ins Leben schöne Jahre bei mir hat. Ruhe und Vertrauen spüren kann. Diese 8 Jahre bei mir zu beenden mit einem Stressmatyrium von Medikamenten geben, spritzen, OP und immer wieder Einfangen müßen wollte ich ihr nicht antun.

Es wird noch eine ganze Weile die Seele des Finchens in der Wohnung sein. Und das ist gut so.
Sie hatte sich nach ihrem 2. Ausriß dazu entschieden mir wieder heim zu folgen und zu bleiben. Jederzeit hatte sie die Wahl gehabt erneut zu gehen. Sie ist geblieben und hat mich genauso akzeptiert, wie ich ihren kleinen zickigen Charakter annahm.
Sie hörte auf ihren Namen, entschied aber jedesmal individuell, ob sie überhaupt kommen wollte, selbst wenn ich mit der Dose rappelte. Dann kam sie auf ihren weißen Pfötchen angetrappelt. So in einer ganz anderen – graziöseren - Gangart wie Merlin.
Als sie draußen wohnte und wir zwei uns näher kamen, wie nie zuvor, und nie danach, war sie genauso überrumpelt wie ich, als sie meine Nähe und den Schutz suchte.
So wunderbar sie beim Kuscheln mit Merlin und Füttern schnurrte, so herzzerreißend konnte sie miauen, wenn sie wo aus- oder eingeschlossen war. Fine duldete meine Berührungen beim Füttern, zeigte mir aber immer wieder sehr resolut ihre Krallen, wenn sie ihre persönliche Grenze ziehen wollte. Das Warnen ging direkt ins Austeilen über.

Mit Merlin war sie zusammen das perfekte Team, wenn es darum ging mich aus dem Bett an den Futternapf zu holen. Merlin tapst über meinen Bauch und Fine warf Gegenstände im Wohnzimmer von den Regalen und knabberte die Pflanzen an. Aber nur die, die direkt am Bett stehen. Auf mir kuscheln ging nur, wenn eine Decke auf meinen Beinen lag. Meine Klamotten waren ein genauso bevorzugter Liegeplatz wie die Sofalehne. Machte ich die Schublade mit der Dreckwäsche auf, erschreckte ich mich immer wieder, wenn die Kiste zum Leben erwachte und eine verpennte Fine fluchtartig ihr Kuschelnest verlies.

Um Spinnen brauchte ich mir 8 Jahre lang keine Gedanken machen. Fine fing sie alle und machte kurzen knackenden Prozess mit ihnen. Und die Fliegen und Junikäfer waren eine willkommene Abwechslung auf ihrem persönlichen Speiseplan. Die zwei Fledermäuse verzeih ich ihr, genauso wie das Erobern und Niedermachen der kompletten Futterdose in Teamarbeit.

Sie war die, die frischgebackenes Brot, Quark und Joghurt und sogar Aniskuchen der Nachbarn mochte, der zum Abkühlen auf der Terrasse stand. Finchen , die stundenlang genußvoll in der Sonne auf dem Dachgiebel lag und mit einem leisen plumpser wieder hineinkam. Oder sie sprang zum einen Dachfenster hinaus und schaute erwartungsvoll auf der anderen Seite, dass ich ihr das große Fenster zum hereinkommen aufmachte. Finchen, die mal Fine oder Räuberfine hies: je nach Vergehen, Verhalten und Verlangen. Streicheln durfte ich Fine nur selten, aber berührt hat sie mich dennoch.

Morgen möchte ich Wohnung saubermachen, doch die unzähligen Tatzen an den Scheiben, die bleiben noch eine Weile dran.

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